Geschichte der Leuchte
Lichtdesign im 19. und 20. Jahrhundert
Eine Leuchte ist viel mehr als nur eine Lichtquelle.
Sie erzählt etwas über die Zeit, in der sie entstanden ist. Über neue technische Möglichkeiten, über veränderte Wohngewohnheiten und natürlich auch über Mode und Design.
Besonders das 19. und 20. Jahrhundert haben die Geschichte der Beleuchtung vollkommen verändert.
Innerhalb von rund 150 Jahren führte der Weg von Kerzen, Öl- und Gaslampen über die elektrische Glühlampe bis zu Jugendstil, Art déco, Bauhaus, Mid-Century und Space Age.
Viele Leuchten, die damals ganz selbstverständlich auf Schreibtischen, in Büros, Werkstätten und Wohnungen standen, sind heute gesuchte Designklassiker.
Manche tragen einen berühmten Namen.
Bei anderen kennen wir den Designer heute nicht mehr.
Und trotzdem erzählen auch sie ein Stück Geschichte.
Das 19. Jahrhundert – bevor elektrisches Licht selbstverständlich wurde
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden Wohnungen hauptsächlich mit Kerzen sowie Öl- und später Petroleumlampen beleuchtet.
In größeren Städten kam das Gaslicht hinzu.
Gaslaternen machten Straßen, Fabriken, Geschäfte und später auch private Räume wesentlich heller.
Für die damalige Zeit war das ein großer Fortschritt.
Doch Gaslicht hatte Nachteile. Es erzeugte Wärme, verbrauchte Sauerstoff und konnte Gerüche und Ruß verursachen.
Gleichzeitig arbeiteten Wissenschaftler und Erfinder an etwas vollkommen Neuem:
elektrischem Licht.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden elektrische Glühlampen schließlich alltagstauglich.
Thomas Edison ist bis heute der bekannteste Name aus dieser Zeit. Er war allerdings nicht der alleinige Erfinder der Glühlampe. Auch Joseph Swan und andere Entwickler arbeiteten an ähnlichen Lösungen.
Die eigentliche Revolution bestand nicht nur aus der Glühlampe selbst.
Es brauchte Kraftwerke, Leitungen, Schalter, Fassungen und Stromnetze.
Erst dadurch konnte elektrisches Licht langsam in die Häuser einziehen.
Die Leuchte bekommt eine neue Aufgabe
Die ersten elektrischen Leuchten sahen häufig noch aus wie Kerzenleuchter oder Gaslampen.
Das war naheliegend.
Die Technik war neu, bei der Gestaltung orientierte man sich zunächst an dem, was man bereits kannte.
Nach und nach änderte sich das.
Die elektrische Leuchte brauchte keinen Ölbehälter und keine offene Gasflamme mehr.
Designer bekamen dadurch vollkommen neue Möglichkeiten.
Ein Schirm konnte das Licht nach unten lenken.
Ein Reflektor konnte einen Arbeitsplatz beleuchten.
Ein Gelenk machte die Leuchte beweglich.
Damit begann das moderne Leuchtendesign.
Jugendstil – Natur, Glas und geschwungene Linien
Um 1900 entwickelte sich der Jugendstil zu einer der wichtigsten Stilrichtungen Europas.
Typisch waren geschwungene Linien, Pflanzen, Blätter, Blüten und weiche Formen.
Leuchten dieser Zeit bestanden häufig aus Messing, Bronze, geschmiedetem Metall und Glas.
Besonders wichtig wurde farbiges und kunstvoll verarbeitetes Glas.
Einer der bekanntesten Namen ist Louis Comfort Tiffany.
Seine farbigen Glasschirme wurden aus zahlreichen einzelnen Glasstücken zusammengesetzt. Blumen, Pflanzen und geometrische Muster bestimmten viele Entwürfe.
Auch Émile Gallé und die Glasmanufaktur Daum in Nancy stehen für die große französische Glaskunst dieser Zeit.
Bei hochwertigen Jugendstilleuchten wurde die Leuchte endgültig zu einem Teil der Einrichtung.
Sie sollte nicht nur Licht geben.
Sie sollte auch schön sein.
Art déco – Eleganz der 1920er- und 1930er-Jahre
Nach den weichen Formen des Jugendstils änderte sich die Gestaltung.
Das Art déco der 1920er- und 1930er-Jahre war moderner, geometrischer und häufig ausgesprochen elegant.
Messing, Chrom, Nickel, Bronze, Opalglas, Rauchglas und schwarzes Glas wurden miteinander kombiniert.
Typisch waren Kreise, Kugeln, Stufen, Fächer und klare geometrische Linien.
Art déco durfte luxuriös wirken.
Genau darin unterscheidet es sich vom späteren funktionalen Denken des Bauhauses.
Eine Art-déco-Leuchte konnte ein richtiges Schmuckstück im Raum sein.
Besonders in Frankreich entstanden außergewöhnliche Leuchten.
Zu den bekannten Namen gehören unter anderem René Lalique und Jean Perzel.
Lalique wurde durch seine Arbeiten mit Glas berühmt.
Jean Perzel wiederum gehörte zu den Gestaltern, die sich intensiv mit moderner elektrischer Beleuchtung beschäftigten.
Art-déco-Leuchten fanden sich in Hotels, Theatern, Restaurants, öffentlichen Gebäuden und privaten Wohnungen.
Auch heute kann eine gute Art-déco-Leuchte nach fast 100 Jahren erstaunlich modern wirken.
Gerade die Verbindung von Messing, Chrom und Opalglas hat bis heute nichts von ihrer Eleganz verloren.
Bauhaus – gutes Design soll funktionieren
1919 gründete Walter Gropius das Bauhaus in Weimar.
Das Bauhaus beeinflusste Architektur, Möbel, Grafik und Produktdesign weit über Deutschland hinaus.
Die Idee war vergleichsweise einfach:
Ein Gegenstand sollte sinnvoll aufgebaut sein und gut funktionieren.
Unnötige Dekoration sollte verschwinden.
Materialien durften sichtbar bleiben.
Metall durfte wie Metall aussehen.
Glas durfte wie Glas aussehen.
Ein Gelenk musste nicht versteckt werden.
Gerade bei Leuchten war dieser neue Gedanke besonders wichtig.
Wilhelm Wagenfeld und Carl Jakob Jucker
Eine der bekanntesten Leuchten aus dem Umfeld des Bauhauses ist die berühmte Bauhaus-Tischleuchte von Wilhelm Wagenfeld und Carl Jakob Jucker.
Der Aufbau ist ausgesprochen klar.
Ein runder Fuß, ein gerader Schaft und eine halbkugelförmige Glashaube.
Keine Blumen.
Keine Ornamente.
Kein unnötiger Schmuck.
Und gerade deshalb wirkt diese fast 100 Jahre alte Gestaltung heute noch modern.
Wilhelm Wagenfeld beschäftigte sich später intensiv mit industriell herstellbaren Gebrauchsgegenständen und wurde zu einem der wichtigsten deutschen Gestalter des 20. Jahrhunderts.
Marianne Brandt – eine der großen Gestalterinnen des Bauhauses
Marianne Brandt gehört zu den bedeutendsten Frauen des Bauhauses.
Sie arbeitete in der Metallwerkstatt und entwarf neben Haushaltsgegenständen auch Leuchten.
Ihre Entwürfe zeigen sehr gut den neuen Gedanken dieser Zeit.
Eine Leuchte sollte praktisch sein.
Sie sollte gutes Licht liefern.
Und sie sollte so gestaltet sein, dass sie industriell hergestellt werden konnte.
Marianne Brandt arbeitete später auch mit dem Leuchtenhersteller Körting & Mathiesen zusammen.
Dessen Markenname ist vielen Sammlern heute besser bekannt:
Kandem.
Hin Bredendieck und Kandem
Auch Hin Bredendieck gehört zu den wichtigen Gestaltern aus dem Bauhaus-Umfeld.
Gemeinsam mit Marianne Brandt arbeitete er Ende der 1920er-Jahre an Leuchten für Körting & Mathiesen beziehungsweise Kandem.
Viele dieser Leuchten waren für einen bestimmten Zweck gemacht.
Ein Metallfuß sorgte für sicheren Stand.
Ein beweglicher Arm brachte das Licht an die richtige Stelle.
Ein Reflektorschirm lenkte es auf den Arbeitsplatz.
Mehr war oft nicht notwendig.
Gerade diese sachliche Gestaltung macht originale Kandem-Leuchten heute so interessant.
Eine gute Arbeitsleuchte aus den 1930er-Jahren kann noch heute auf einem modernen Schreibtisch stehen, ohne altmodisch zu wirken.
Christian Dell und Gebr. Kaiser – Kaiser Idell
Ein weiterer großer Name der deutschen Leuchtengeschichte ist Christian Dell.
Von 1922 bis 1925 war Dell Werkmeister der Metallwerkstatt am Bauhaus in Weimar.
Später arbeitete er als Gestalter und beschäftigte sich intensiv mit Leuchten.
Ab Anfang der 1930er-Jahre entstanden seine bekannten Entwürfe für die Firma Gebr. Kaiser & Co. in Neheim-Hüsten.
Daraus entwickelte sich die berühmte Kaiser-Idell-Serie.
Wichtig ist dabei:
Die Kaiser-Idell-Leuchten wurden nicht am Bauhaus hergestellt.
Christian Dell brachte jedoch seine Erfahrung und sein funktionales Gestaltungsverständnis aus dieser Zeit mit.
Gebr. Kaiser fertigte Tisch-, Wand-, Steh- und Arbeitsleuchten nach seinen Entwürfen.
Typisch sind die klar geformten Metallschirme, bewegliche Gelenke, schwere Füße und die sehr gute Möglichkeit, das Licht genau auszurichten.
Die Leuchten waren damals zunächst Gebrauchsgegenstände.
Sie standen in Büros, Werkstätten, Verwaltungen und privaten Wohnungen.
Heute gehören originale Kaiser-Idell-Leuchten von Christian Dell zu den bekanntesten deutschen Designklassikern.
Neue Sachlichkeit und Industrieleuchten
Neben dem Bauhaus entwickelte sich in den 1920er- und 1930er-Jahren die Neue Sachlichkeit.
Auch hier ging es um klare Formen und Funktion.
Das sieht man besonders gut bei alten Industrie- und Werkstattleuchten.
Ein Metallschirm lenkte das Licht.
Ein Gelenk machte die Leuchte beweglich.
Ein schwerer Fuß sorgte für Standfestigkeit.
Die Konstruktion wurde nicht versteckt.
Gerade diese Ehrlichkeit macht alte Industrie- und Arbeitsplatzleuchten heute so reizvoll.
Sie erzählen unmittelbar etwas über die Zeit, in der sie benutzt wurden.
Neheim – eine Stadt der Leuchten
Für die deutsche Leuchtengeschichte spielt Neheim beziehungsweise das heutige Arnsberg eine besondere Rolle.
Hier entwickelte sich ein bedeutendes Zentrum der Metall- und Leuchtenindustrie.
Namen wie Gebr. Kaiser und Gebr. Cosack sind eng mit dieser Region verbunden.
Auch zahlreiche Zulieferbetriebe für Fassungen, Metallteile und andere Komponenten entstanden dort.
Für Sammler deutscher Vintage-Leuchten taucht der Name Neheim deshalb immer wieder auf.
Gebr. Cosack – deutsche Leuchtengeschichte aus Neheim
Auch Gebr. Cosack gehört zu den traditionsreichen deutschen Leuchtenherstellern.
Die Wurzeln des Unternehmens reichen weit in das 19. Jahrhundert zurück.
Das Unternehmen war über viele Jahrzehnte in der Metallverarbeitung und Leuchtenherstellung tätig.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden bei Cosack zahlreiche moderne Wohnraumleuchten.
Besonders in den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren fertigte Cosack Tisch-, Wand-, Decken-, Pendel- und Stehleuchten.
Man findet bei Cosack sehr unterschiedliche Formen.
Von eher zurückhaltenden Leuchten der 1950er-Jahre bis zu typischen Entwürfen der 1960er- und 1970er-Jahre mit Glas, Metall und Kunststoff.
Heute sind viele originale Cosack-Leuchten wieder gesuchte Vintage-Stücke.
Die 1930er-Jahre – die Arbeitsleuchte wird zum Klassiker
In den 1930er-Jahren wurde die moderne Arbeits- und Schreibtischleuchte immer weiter verbessert.
Gebr. Kaiser, Kandem und andere deutsche Hersteller entwickelten zahlreiche Modelle.
Schirme konnten gedreht werden.
Arme wurden verstellbar.
Das Licht konnte genau auf Bücher, Zeichnungen oder einen Arbeitsplatz gerichtet werden.
Viele dieser Leuchten wurden jahrzehntelang benutzt.
Niemand dachte damals daran, dass sie eines Tages gesammelt und aufwendig restauriert würden.
Gerade das macht ein historisches Original heute interessant.
Es wurde für den Alltag gebaut.
Die 1940er-Jahre – Krieg und Wiederaufbau
Der Zweite Weltkrieg beeinflusste selbstverständlich auch die Leuchtenindustrie.
Materialien wurden knapp.
Fabriken mussten ihre Produktion verändern.
Nach 1945 begann der Wiederaufbau.
Viele Hersteller griffen zunächst auf bewährte Konstruktionen der Vorkriegszeit zurück.
Deshalb erinnern einige Leuchten aus den späten 1940er- und frühen 1950er-Jahren noch deutlich an die sachlichen Formen der 1930er-Jahre.
Doch schon bald änderte sich der Geschmack.
Die 1950er-Jahre – Mid-Century und ein neues Wohnen
Nach den schweren Kriegsjahren wollten die Menschen wieder schöner und moderner wohnen.
Die 1950er-Jahre wurden zu einer der spannendsten Zeiten des Leuchtendesigns.
Die Formen wurden leichter.
Farben spielten eine größere Rolle.
Messing, lackiertes Metall, Aluminium, Opalglas und neue Kunststoffe wurden miteinander kombiniert.
Creme, Schwarz, Rot, Grün und Pastelltöne tauchten bei vielen Leuchten auf.
Heute sprechen wir bei vielen dieser Entwürfe von Mid-Century Design.
Auch in Deutschland gab es eine große Zahl bedeutender Hersteller.
Gebr. Kaiser, Gebr. Cosack, HELO, Hillebrand, STAFF, Peill & Putzler und andere Firmen brachten eine enorme Vielfalt an Wohnraum- und Arbeitsleuchten auf den Markt.
Nicht jede dieser Leuchten hatte einen weltberühmten Designer.
Das macht sie aber nicht weniger interessant.
Manchmal ist es gerade ein heute unbekannter Entwurf, der durch seine Form und Verarbeitung begeistert.
HELO, Hillebrand und STAFF
Neben Kaiser, Kandem und Cosack gab es in Deutschland zahlreiche weitere Hersteller.
HELO ist besonders für Tisch-, Arbeits- und Schreibtischleuchten bekannt.
Auch Hillebrand entwickelte hochwertige Wohnraumleuchten und arbeitete mit Messing, Metall und Glas.
STAFF Leuchten gehörte ebenfalls zu den bedeutenden deutschen Herstellern der Nachkriegszeit.
Gerade in den 1960er- und 1970er-Jahren entstanden dort zahlreiche moderne und teilweise sehr futuristische Leuchten.
Diese Firmen zeigen, wie groß und vielfältig die deutsche Leuchtenindustrie einmal war.
Peill & Putzler – Glas und Licht
Eine besondere Stellung nimmt Peill & Putzler ein.
Das Unternehmen wurde vor allem durch hochwertige Glasleuchten bekannt.
In den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren entstanden zahlreiche Pendel-, Decken-, Wand- und Tischleuchten mit charakteristischen Glasformen.
Opalglas, strukturiertes Glas und ungewöhnliche Oberflächen machten viele dieser Leuchten unverwechselbar.
Gerade bei einer eingeschalteten Peill-&-Putzler-Leuchte sieht man, wie stark Glas die Wirkung des Lichtes verändern kann.
Skandinavisches Design – schlicht, warm und funktional
Skandinavien hatte einen großen Einfluss auf das Design des 20. Jahrhunderts.
Besonders Dänemark, Schweden und Finnland brachten zahlreiche bedeutende Gestalter hervor.
Skandinavische Leuchten wirken häufig klar und zurückhaltend, aber selten kalt.
Holz, Messing, Kupfer, lackiertes Metall und Glas wurden miteinander kombiniert.
Es ging nicht nur darum, einen Raum hell zu machen.
Das Licht sollte angenehm sein.
Poul Henningsen – das Licht selbst wird gestaltet
Der Däne Poul Henningsen gehört zu den wichtigsten Leuchtengestaltern überhaupt.
Er beschäftigte sich intensiv mit Blendung und Lichtverteilung.
Seine berühmten PH-Leuchten besitzen mehrere übereinander angeordnete Schirme.
Dadurch wird das Licht verteilt, ohne dass man ständig direkt auf eine grelle Lichtquelle blickt.
Henningsen arbeitete über viele Jahrzehnte mit Louis Poulsen zusammen.
Seine Leuchten zeigen besonders schön:
Gutes Leuchtendesign besteht nicht nur darin, einen schönen Gegenstand zu gestalten.
Man muss auch verstehen, was das Licht im Raum macht.
Paavo Tynell – finnische Leuchten mit besonderer Atmosphäre
Auch der Finne Paavo Tynell gehört zu den großen Namen des skandinavischen Lichtdesigns.
Viele seiner Leuchten entstanden aus Messing.
Feine Lochungen und dekorative Details sorgten dafür, dass sich das Licht auf besondere Weise im Raum verteilte.
Seine Arbeiten zeigen, dass funktionales Design trotzdem warm und dekorativ sein kann.
Alvar Aalto
Der finnische Architekt Alvar Aalto entwarf nicht nur Gebäude und Möbel.
Auch Leuchten waren Bestandteil seiner Raumgestaltung.
Aalto dachte Architektur, Möbel und Licht als Einheit.
Seine Leuchten zeigen häufig klare Formen und eine durchdachte Lichtverteilung.
Arne Jacobsen und die AJ-Leuchte
Der Däne Arne Jacobsen war Architekt und Designer.
Für das SAS Royal Hotel in Kopenhagen entwickelte er Ende der 1950er-Jahre nicht nur Möbel und Einrichtungen, sondern auch Leuchten.
Daraus entstand unter anderem die bekannte AJ-Serie für Louis Poulsen.
Die AJ-Leuchte ist mit ihrem schrägen Schirm sofort wiederzuerkennen.
Auch hier folgt die Form der Aufgabe:
Das Licht soll dorthin gelangen, wo es gebraucht wird.
Hans-Agne Jakobsson – warmes Licht aus Schweden
Der Schwede Hans-Agne Jakobsson wurde für seine stimmungsvollen Leuchten bekannt.
Holz, Messing, Glas und mehrteilige Schirme findet man bei vielen seiner Entwürfe.
Statt einer grellen Lichtquelle sollte häufig ein warmes, indirektes Licht entstehen.
Seine Leuchten passen damit sehr gut zur skandinavischen Wohnkultur der Nachkriegszeit.
Greta Magnusson Grossman
Eine weitere wichtige skandinavische Gestalterin war Greta Magnusson Grossman.
Die gebürtige Schwedin lebte und arbeitete später in den USA.
Ihre Leuchten verbinden skandinavische Klarheit mit der amerikanischen Moderne.
Besonders bekannt wurden ihre Cobra- und Grasshopper-Entwürfe.
George Nelson – amerikanisches Mid-Century
Auch in den USA entstanden in den 1950er-Jahren Entwürfe, die bis heute bekannt sind.
George Nelson und sein Studio prägten das amerikanische Mid-Century Design.
Besonders bekannt wurden die sogenannten Bubble Lamps.
Ihre leichten, weich geformten Schirme verbreiten ein angenehmes Licht und wirken auch heute noch ausgesprochen modern.
Isamu Noguchi – Akari
Der japanisch-amerikanische Künstler Isamu Noguchi schuf ab den 1950er-Jahren seine berühmten Akari-Leuchten.
Papier, Bambus und Licht werden dabei miteinander verbunden.
Die Leuchten wirken leicht und fast schwerelos.
Für Noguchi waren sie mehr als einfache Lampen.
Sie waren Lichtskulpturen.
Damit zeigt sich sehr schön, wie weit sich die Leuchte inzwischen vom reinen Gebrauchsgegenstand entfernt hatte.
Serge Mouille – Leuchten wie Skulpturen
Der Franzose Serge Mouille entwickelte in den 1950er-Jahren eine ganz eigene Formensprache.
Seine Leuchten besitzen häufig lange, dünne Metallarme und charakteristische Reflektoren.
Manche erinnern an Pflanzen oder Insekten.
Auch ausgeschaltet wirken sie wie kleine Skulpturen.
Damit wurde die Leuchte endgültig zu einem Objekt, das einen ganzen Raum prägen kann.
Jean Prouvé
Auch Jean Prouvé gehört zu den wichtigen französischen Gestaltern des 20. Jahrhunderts.
Seine Möbel und Leuchten sind von Konstruktion und Funktion geprägt.
Bei Entwürfen wie der Potence-Wandleuchte sieht man sehr deutlich:
Aus wenigen Teilen kann ein außergewöhnlich starker Entwurf entstehen.
Le Corbusier und Charlotte Perriand
Auch große Architekten wie Le Corbusier beschäftigten sich mit Beleuchtung.
Leuchten wurden zunehmend als Bestandteil der Architektur verstanden.
Charlotte Perriand wiederum gehörte zu den bedeutenden Gestalterinnen der französischen Moderne.
Ihre Arbeiten zeigen, wie eng Möbel, Architektur und Licht miteinander verbunden sein können.
Italien – Experimentierfreude und große Namen
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Italien zu einem der wichtigsten Länder für modernes Design.
Italienische Gestalter gingen häufig etwas spielerischer mit Formen um.
Die Leuchte durfte elegant, technisch, bunt oder sogar futuristisch aussehen.
Firmen wie Arteluce, Stilnovo, Oluce, Flos, Artemide und später Guzzini wurden international bekannt.
Gino Sarfatti und Arteluce
Gino Sarfatti gehört zu den bedeutendsten italienischen Leuchtengestaltern.
1939 gründete er Arteluce in Mailand.
Sarfatti experimentierte ständig mit neuen Leuchtmitteln, Materialien und Konstruktionen.
Wenn sich die Lichttechnik änderte, interessierte ihn auch die Frage:
Welche neue Form wird dadurch möglich?
Im Laufe seines Lebens entstanden Hunderte Leuchten.
Sein Einfluss auf das italienische Leuchtendesign war enorm.
Stilnovo – italienische Moderne
Stilnovo wurde besonders in den 1950er- und 1960er-Jahren bekannt.
Messing, Glas, lackiertes Metall und später Kunststoff wurden miteinander kombiniert.
Viele Stilnovo-Leuchten wirken technisch und gleichzeitig spielerisch.
Typisch ist genau diese Mischung.
Italienisches Design musste nicht streng sein, um modern zu wirken.
Achille und Pier Giacomo Castiglioni – die Arco
1962 entwarfen Achille und Pier Giacomo Castiglioni für Flos die berühmte Arco-Stehleuchte.
Ein schwerer Marmorsockel trägt einen langen Metallbogen.
Dadurch kann Licht beispielsweise über einen Tisch geführt werden, ohne dass darüber ein Deckenauslass notwendig ist.
Ein praktisches Problem führte damit zu einem der bekanntesten Entwürfe des 20. Jahrhunderts.
Joe Colombo – Wohnen in der Zukunft
Joe Colombo gehört zu den Gestaltern, die den Aufbruch der 1960er-Jahre besonders gut verkörpern.
Neue Kunststoffe, neue Technologien und neue Vorstellungen vom Wohnen interessierten ihn.
Viele seiner Entwürfe sehen aus, als hätte man in den 1960er-Jahren versucht, sich das Leben im Jahr 2000 vorzustellen.
Leuchten wurden zu futuristischen Objekten.
Gae Aulenti und die Pipistrello
Gae Aulenti war eine der bedeutenden italienischen Architektinnen und Designerinnen des 20. Jahrhunderts.
Eine ihrer bekanntesten Leuchten ist die Pipistrello von 1965.
Der Name bedeutet auf Italienisch „Fledermaus“.
Der Schirm erinnert tatsächlich ein wenig an ausgebreitete Flügel.
Die Leuchte steht zwischen Möbel, Lichtquelle und Skulptur.
Harvey Guzzini – ein häufiges Missverständnis
Bei Vintage-Leuchten taucht sehr häufig der Name „Harvey Guzzini“ auf.
Dabei wird manchmal angenommen, Harvey Guzzini sei ein Designer gewesen.
Das stimmt nicht.
Der Name gehört zur Geschichte des italienischen Unternehmens, aus dem das heutige iGuzzini hervorging.
Die Firma wurde Ende der 1950er-Jahre in Recanati gegründet und arbeitete später mit verschiedenen bekannten Gestaltern zusammen.
Eine wichtige Rolle spielte Luigi Massoni.
Auch Designer wie Fabio Lenci, Rodolfo Bonetto und andere arbeiteten mit dem Unternehmen.
Besonders in den 1960er- und 1970er-Jahren entstanden außergewöhnliche Leuchten aus Kunststoff, Acryl und Metall.
Viele davon gehören heute zu den Klassikern des italienischen Space-Age-Designs.
Verner Panton – Farbe gehört zum Licht
Kaum ein Designer verkörpert die 1960er- und 1970er-Jahre so stark wie Verner Panton.
Der Däne liebte kräftige Farben und ungewöhnliche Formen.
Er dachte nicht nur über einzelne Möbel oder Leuchten nach.
Er gestaltete ganze Räume.
Wände, Decken, Teppiche, Möbel und Licht sollten zusammenwirken.
1968 entstand seine berühmte Flowerpot-Leuchte.
Zwei halbkugelförmige Schalen bilden eine sehr einfache und sofort erkennbare Form.
Später folgte unter anderem die Panthella.
Verner Panton zeigt besonders deutlich, wie stark Licht, Farbe und Raum miteinander verbunden sein können.
Die 1960er-Jahre – Design wird freier
Die 1960er-Jahre brachen mit vielen Regeln.
Neue Kunststoffe ermöglichten Formen, die vorher nur schwer oder gar nicht herzustellen waren.
Leuchten wurden rund, bunt und glänzend.
Sie konnten wie Kugeln, Pilze oder Raumkapseln aussehen.
Manche Modelle ließen kaum noch erkennen, wo sich das eigentliche Leuchtmittel befand.
Eine Leuchte musste nicht mehr aussehen wie eine klassische Lampe.
Alles war möglich.
Space Age – die Zukunft im Wohnzimmer
Die Raumfahrt faszinierte in den 1960er- und 1970er-Jahren Millionen Menschen.
1969 landeten erstmals Menschen auf dem Mond.
Diese Begeisterung für Technik und Zukunft findet man auch im Design.
Leuchten erinnern an Planeten, Satelliten, Raumkapseln oder kleine UFOs.
Chrom, Aluminium, Acryl und Kunststoff waren typische Materialien.
Weiß, Orange, Rot, Gelb und Grün gehörten zu den Farben dieser Zeit.
Verner Panton, Joe Colombo, Guzzini und viele italienische Hersteller stehen heute stellvertretend für diese Epoche.
Doch auch zahlreiche Leuchten unbekannter Gestalter besitzen diese typische Space-Age-Formensprache.
Ingo Maurer – Licht mit Humor und Fantasie
1966 entwarf der deutsche Designer Ingo Maurer seine berühmte Bulb.
Die normale Glühlampe wurde dabei selbst zum Thema der Leuchte.
Maurer beschäftigte sich anschließend über Jahrzehnte mit Licht.
Bei ihm durfte eine Leuchte technisch sein.
Sie durfte aber auch poetisch, ungewöhnlich und humorvoll sein.
Ingo Maurer zeigte, dass gutes Design nicht immer ernst sein muss.
Die 1970er-Jahre – Chrom, Rauchglas und kräftige Farben
Die 1970er-Jahre waren ausgesprochen vielseitig.
Futuristische Kunststoffleuchten standen neben schweren Messingleuchten.
Chrom und Rauchglas wurden sehr beliebt.
Braun, Orange, Gelb und Grün bestimmten viele Einrichtungen.
Kugelleuchten, Pilzleuchten und große Pendelleuchten gehörten zum typischen Bild.
Auch deutsche Hersteller wie Gebr. Cosack, STAFF, Hillebrand und Peill & Putzler griffen neue Formen und Materialien auf.
Richard Sapper und die Tizio
1972 entstand Richard Sappers Tizio für Artemide.
Die Leuchte besitzt bewegliche Arme und Gegengewichte.
Dadurch lässt sie sich leicht in verschiedene Positionen bringen.
Die Technik wird nicht versteckt.
Sie wird zum Teil des Designs.
Damit erinnert die Grundidee wieder an die alten Arbeitsleuchten der 1920er- und 1930er-Jahre.
Nur die Formensprache ist eine vollkommen andere.
Vico Magistretti und die Atollo
1977 entwarf Vico Magistretti die Atollo.
Ihre Form besteht im Grunde aus wenigen einfachen geometrischen Körpern.
Und trotzdem ist sie sofort zu erkennen.
Die Atollo zeigt sehr schön, dass ein außergewöhnlicher Entwurf nicht kompliziert sein muss.
Manchmal entsteht gutes Design gerade dadurch, dass man alles Unnötige weglässt.
Louis Kalff und Philips
Auch der niederländische Designer Louis Kalff gehört zur Geschichte des europäischen Leuchtendesigns.
Er arbeitete viele Jahre für Philips.
Seine Tisch- und Schreibtischleuchten verbinden klare Formen mit der industriellen Produktion eines großen Elektrounternehmens.
Viele seiner Entwürfe aus der Mitte des 20. Jahrhunderts sind heute gesuchte Vintage-Leuchten.
Die 1980er-Jahre – zwischen Technik und Postmoderne
In den 1980er-Jahren gingen die Stilrichtungen weit auseinander.
Auf der einen Seite gab es reduzierte technische Leuchten aus Metall und Aluminium.
Auf der anderen Seite wurde Design wieder bunt und bewusst auffällig.
Die italienische Memphis-Gruppe um Ettore Sottsass stellte viele bisherigen Vorstellungen von „gutem Geschmack“ infrage.
Farben, Muster und ungewöhnliche Formen wurden miteinander kombiniert.
Ein Gegenstand durfte plötzlich bewusst ein wenig verrückt aussehen.
Michele De Lucchi und Giancarlo Fassina – die Tolomeo
1987 entstand für Artemide die Tolomeo von Michele De Lucchi und Giancarlo Fassina.
Die Grundidee einer beweglichen Arbeitsleuchte war zu diesem Zeitpunkt längst nicht neu.
Schon Kandem und Kaiser hatten Jahrzehnte zuvor verstellbare Arbeitsleuchten gebaut.
Die Tolomeo übersetzte dieses Prinzip jedoch in die Formensprache der späten 1980er-Jahre.
Aluminium, Gelenke und Seilzüge ergeben eine leichte, technische Konstruktion.
Damit schließt sich fast ein Kreis:
von den funktionalen Arbeitsleuchten der frühen Moderne bis zur modernen Architektenleuchte.
Die 1990er-Jahre – Licht wird Teil des ganzen Raumes
In den 1990er-Jahren wurde die Gestaltung häufig wieder ruhiger.
Aluminium, Glas und reduzierte Formen waren beliebt.
Die Lichttechnik entwickelte sich weiter.
Halogenlampen ermöglichten kleinere und filigranere Leuchten.
Auch indirekte Beleuchtung spielte eine immer größere Rolle.
Nicht mehr nur die Leuchte selbst war wichtig.
Designer beschäftigten sich zunehmend damit, wie Licht einen ganzen Raum verändert.
Große Namen und die vielen unbekannten Gestalter
Das 20. Jahrhundert brachte eine beeindruckende Zahl bedeutender Leuchtendesigner hervor.
Wilhelm Wagenfeld, Marianne Brandt, Hin Bredendieck, Christian Dell, Poul Henningsen, Paavo Tynell, Alvar Aalto, Arne Jacobsen, Hans-Agne Jakobsson, Greta Magnusson Grossman, George Nelson, Isamu Noguchi, Serge Mouille, Jean Prouvé, Charlotte Perriand, Le Corbusier, Gino Sarfatti, Achille und Pier Giacomo Castiglioni, Joe Colombo, Gae Aulenti, Vico Magistretti, Verner Panton, Richard Sapper, Ingo Maurer, Louis Kalff, Ettore Sottsass, Michele De Lucchi und Giancarlo Fassina sind nur einige davon.
Dazu kommen Hersteller wie Gebr. Kaiser, Kandem, Gebr. Cosack, HELO, Hillebrand, STAFF, Peill & Putzler, Louis Poulsen, Arteluce, Stilnovo, Oluce, Flos, Artemide, Philips und Guzzini.
NICHT JEDE GUTE ALTE LEUCHTE BRAUCHT EINEN BERÜHMTEN NAMEN
Viele ausgezeichnet gestaltete Leuchten wurden von Werksdesignern oder Gestaltern entworfen, deren Namen heute kaum noch bekannt sind.
Das macht diese Leuchten nicht weniger interessant.
Für uns zählt deshalb nicht nur das Etikett.
Wir schauen auf die Form, das Material, die Verarbeitung, die Konstruktion und natürlich auf die Geschichte einer Leuchte.
Manchmal ist gerade ein unbekannter Entwurf das Stück, das einen Raum besonders macht.
Warum alte Leuchten heute noch faszinieren
Eine historische Leuchte erzählt etwas über ihre Zeit.
An Materialien, Fassungen, Schaltern, Gelenken und Verarbeitung lässt sich häufig erkennen, aus welcher Epoche sie stammt.
Eine Kaiser-Idell-Arbeitsleuchte aus den 1930er-Jahren erzählt eine andere Geschichte als eine elegante Messingleuchte aus den 1950er-Jahren.
Eine Verner-Panton-Leuchte steht für eine andere Zeit als eine Art-déco-Leuchte aus den 1930er-Jahren.
Und eine Space-Age-Leuchte aus den 1970er-Jahren vermittelt wiederum ein vollkommen anderes Lebensgefühl.
Genau diese Unterschiede machen Vintage-Leuchten für uns so spannend.
Eine alte Leuchte darf ihre Geschichte zeigen
Viele historische Leuchten haben 50, 70, 90 oder sogar mehr als 100 Jahre hinter sich.
Sie standen auf Schreibtischen.
Sie hingen über Esstischen.
Sie beleuchteten Werkstätten, Büros und Wohnzimmer.
Deshalb gehören kleine Gebrauchsspuren für uns zu einem historischen Original.
Nicht jede alte Leuchte muss aussehen, als wäre sie gestern hergestellt worden.
Bei einer guten Restaurierung geht es für uns nicht darum, ihre Vergangenheit verschwinden zu lassen.
Ihr ursprünglicher Charakter sollte erhalten bleiben.
Denn gerade dieser Charakter macht ein Original aus.
Historische Leuchten erhalten und wieder benutzen
Viele hochwertige Leuchten des vergangenen Jahrhunderts wurden für eine lange Nutzung gebaut.
Deshalb lohnt es sich, sie zu erhalten.
In unserer Kölner Werkstatt beschäftigen wir uns mit ausgewählten Vintage-Leuchten und Designklassikern unterschiedlicher Epochen.
Wir reinigen, restaurieren und technisch überarbeiten die Leuchten und verkabeln sie neu.
Dabei versuchen wir, möglichst viel von der ursprünglichen Leuchte und ihrer Geschichte zu bewahren.
Denn eine restaurierte historische Leuchte soll nicht ihre Vergangenheit verlieren.
Sie soll wieder Licht geben.
Ein Jahrhundert Lichtdesign unter einem Dach
Jugendstil, Art déco, Bauhaus, Neue Sachlichkeit, Mid-Century und Space Age könnten auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein.
Und trotzdem gehören sie alle zu derselben Geschichte.
Es ist die Geschichte davon, wie aus einer einfachen Lichtquelle ein Stück Architektur, Wohnkultur und Design wurde.
Manche Leuchten wurden weltberühmt.
Andere wurden fast vergessen und werden heute wiederentdeckt.
Genau diese Mischung begeistert uns.
Denn eine originale Vintage-Leuchte ist mehr als nur Beleuchtung.
Sie trägt die Ideen, Materialien und das Lebensgefühl ihrer Zeit in sich.
Man kauft nicht einfach nur Licht.
Man holt sich ein kleines Stück Zeitgeschichte nach Hause.
Lampen-Koeln.com – Licht. Design. Geschichte.
Denn wir lieben Licht.